100 Meter autofrei - die Manteuffelstraße zwischen Skalitzer und Naunynstraße

Das Gutachten

Nachdem der Antrag auf Umgestaltung der Manteuffelstraße zwischen Naunynstraße und Skalitzer Straße von der BVV verabschiedet wurde, hat das Bezirksamt ein Verkehrsgutachten (PDF) erstellen lassen.

Die wichtigen Punkte daraus:

  • Der Gutachter ist - wie wir - der Meinung, dass das Verkehrsaufkommen in der Manteuffelstraße zu hoch ist. Für ein Wohngebiet sind maximal 3.000 Autos am Tag angemessen, hier sind es über 4.300.
  • Eine Vereinfachung der Kreuzung Skalitzer Straße ist anzuraten. Dies würde die Unfallgefahr verringern und die Ampelschaltung deutlich vereinfachen. Er riet aus dem gleichen Grund eine Sperrung der südlichen Manteuffelstraße an.
  • Nur 17% der Wege in Kreuzberg werden mit dem Auto zurückgelegt!

Als nächster Schritt wird das Bezirksamt in den nächsten Monaten eine Planungswerkstatt gemeinsam mit den Anwohnern veranstalten.


Der Vorschlag

Die Manteuffelstraße soll zwischen der Skalitzer Straße und der Naunynstraße vom motorisierten Verkehr entwidmet werden. Das heißt, der gesamte Bereich ist dann frei für Menschen zum Sitzen und Flanieren, für Kinder zum Spielen und für Erwachsene zum Unterhalten.

Der Ist-Zustand des Blocks und eine Ideensammlung für die Umgestaltung (PDF)

Und warum?

Wir haben diesen Vorschlag aus folgenden Gründen initiiert:

  • In Kreuzberg gibt es pro Kopf am wenigsten Autos in ganz Deutschland, trotzdem ist jede einzelne Straße bis an die Ränder für Autos reserviert. Für Menschen sind alle Straßen damit eng, häßlich, laut und tödlich – und keiner hält sich dort länger als nötig auf. Wir wollen Räume schaffen, in denen man sich gerne aufhält und fangen mit diesem Teil der Manteuffelstraße an.
  • Die Manteuffelstraße ist zu einer vielbefahrenen Durchfahrstraße und gern genutzten Abkürzung geworden, die wenigsten Autofahrer halten sich dabei an das Tempolimit (30 km/h).
  • Die Kreuzung Skalitzer Straße/Wiener Straße/Oranienstraße/Manteuffelstraße ist groß, unübersichtlich und gefährlich. Eine ihrer Zufahrten für Autos zu schließen wird viele Situationen mit Abbiegern entschärfen und den Rückstau an der Ampel verhindern.
  • Aber was ist dann mit ...

    ... den Menschen, die nachts auf der Straße lärmen?

    Die nächtliche Lautstärke ist tatsächlich bereits jetzt ein Problem, das aber nicht in der Manteuffelstraße begründet ist. Es lässt sich nicht ausschließen, dass wenn man die Straße einladend macht – sich Menschen eingeladen fühlen. Wir werden jedoch zusammen mit Bezirksamt und Anwohnern städtebauliche und ordnungsrechtliche Lösungen suchen, um Lärmbelästigung durch nächtlichen Aufenthalt zu vermeiden. Eine Ausweitung von Gastronomiebetrieben wird es nicht geben.

    Die beste Lösung ist natürlich, weitere Straßen autofrei zu machen, so dass die autofreie Manteuffelstraße nichts besonderes mehr ist.

    ... den anderen Straßen in der Umgegend?

    Wir wollen vermeiden, dass der Verkehr stattdessen durch andere Straßen fließt. Dafür werden wir mit dem Bezirksamt und anderen verantwortlichen Stellen zusammenarbeiten, um das mit Sackgassen, Einbahnstraßen und entsprechender Beschilderung zu erreichen.

    Ziel soll sein, "Schleichweg"-Fahrten durch Wohngebiete zu verhindern, damit Autofahrer die Hauptverkehrsstraßen nutzen. Außerdem: Wege für Autos länger zu machen als für andere Verkehrsmittel, um dadurch ein Umdenken in Gang zu setzen. Das Auto ist für Wege da, die nicht anders zurücklegbar sind - nicht für den Alltag.

    ... den Parkplätzen?

    Es ist keine sinnvolle Nutzung von 10-12m² bester Innenstadtlage, sie mehr als 23 Stunden am Tag vom Fahrzeug einer einzigen Person oder Familie besetzen zu lassen. Diesen Platz für alle Anwohner freizugeben schafft dringend benötigten Raum für Menschen, Pflanzen und umweltverträgliche Verkehrsmittel mit wenig Platzbedarf. In den umliegenden Parkhäusern sind noch viele bezahlbare Parkplätze für Anwohner vorhanden. Der Weg zum eigenen Pkw soll länger werden als der Weg zur nächsten Haltestelle der öffentlichen Verkehrsmittel.

    Die Initiative

    Im Sommer 2012 gründete sich die AG Autofrei, um den Anfang zu machen: Straßen für Menschen statt Autos. Mit dabei sind die Mitglieder des Abgeordnetenhauses Dirk Behrendt und Turgut Altug, von der Grünen Fraktion in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg Jonas Schemmel, Paula Riester und Christian Honnens, Privatpersonen und Kreuzberger Anwohner sowie die Initiativen Autofreies Kreuzberg und Arbeitsgemeinschaft Verkehrsberuhigung.