Träumen ist erlaubt: ein Stadtteil, in dem die Straßen den Menschen gehören!

Warum soll Kreuzberg autofrei werden?

Das Auto ist zweifellos eine der wichtigsten Erfindungen des 19. Jahrhunderts. Keine andere Erfindung hat die Städte so verändert. Auf dem Land ist ein Leben ohne Auto kaum denkbar — in der Stadt bleibt von seinen Vorteilen aber wenig übrig.

Es sind vor allem drei Gründe, weswegen eine Stadt ohne Autos für alle Stadtbewohner besser ist:

Autos brauchen zuviel Platz

Sie stehen 23 Stunden am Tag im öffentlichen Raum herum und besetzen wertvollen Innenstadtraum. In Bewegung, vor allem wenn nur eine einzige Person darin sitzt, ist der Platzverbrauch noch größer: auf die Länge eines Fußballplatzes passen nur fünf Autos - wegen des nötigen Anhaltewegs. Und wenn kein Auto fährt, müssen die Straßen trotzdem frei bleiben, denn es könnte ja eins kommen!

Den Anwohnern werden mindestens die Hälfte der Straßenfläche als innerstädtische Freiflächen vorenthalten. Durch Unfallgefahren, Lärm und Abgase in diesen Straßen wird der Aufenthalt für Menschen gefährlich und vertreibt die Anwohner in ihre Wohnungen oder aus dem Kiez.

Wie könnte es anders sein? Nachbarn hätten viel Platz zum Sitzen, Kinder zum Spielen und Menschen zum Flanieren. Senioren hätten viel Zeit, um die Straße zu überqueren oder einfach stehenzubleiben und sich zu unterhalten. Es gäbe viel Raum für Bäume, Pflanzen und Tiere.

Autos sind undemokratisch

Bereits jetzt haben laut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mehr als die Hälfte der Kreuzberger Haushalte kein Auto. Wer im Auto sitzt, bekommt aber automatisch mehr Rechte: darf ungestraft andere Menschen nötigen und in Lebensgefahr bringen, darf hupen, den Motor aufheulen lassen und aus dem Fenster brüllen — wehren kann man sich nicht, denn der Autofahrer bleibt anonym und ist gleich verschwunden.

Ganz zu schweigen von den ungeheuren Kosten, die Autofahrer der Gesellschaft aufbürden: zwar müssen Autofahrer Kfz-Steuern und manchmal Parkgebühren zahlen, das deckt aber noch nicht einmal die Kosten für Straßenbau und Parkplätze. Darüber hinaus zahlt die Allgemeinheit für:

  • Polizei und Feuerwehr, die zum großen Teil damit beschäftigt sind, Unfälle aufzunehmen, Opfer zu bergen und die Folgen zu beseitigen
  • Krankenhausbetten, Behandlungen, Krankengeld und Reha für die Unfallopfer
  • Extreme Zunahme der Zivilisationskrankheiten, die durch mangelnde Bewegung, Luftverschmutzung und Lärmbelastung verursacht werden, vor allem Asthma, Herzinfarkt und Bluthochdruck
  • Verschwendung des knappen Rohstoffs Öl, der an anderen Orten dringender benötigt wird

Autos tun weh

Jedes Jahr werden in Deutschland tausende Menschen durch Autos aus dem Leben gerissen und hinterlassen zerbrochene Familien und traumatisierte Angehörige. Mehr als die Hälfte der Opfer saßen dabei gar nicht im Auto! Ganz zu schweigen von zehntausenden "Leicht"- und Schwerverletzten, die oft über Wochen und Monate arbeitsunfähig sind, in schwere Depressionen fallen oder verarmen. Nirgendwo sonst dulden wir ein solches Leid so tatenlos.

Jeder Autounfall wirkt wie ein bedauerlicher Einzelfall, aber wer solch schwere Maschinen in einer solchen Geschwindigkeit in unmittelbarer Nähe von ungeschützten Menschen bewegt, nimmt die Konsequenzen in Kauf. Menschen machen nunmal Fehler, die im Auto schnell tödlich wirken können.

Was heute in Kreuzberg Hinterhof-Lofts sind, war früher oft schwere Industrie. Über die Zeit waren die Menschen nicht mehr bereit, den Lärm, Gestank und die gefährlichen Maschinen in ihren Wohngebieten zu dulden. Diese Zeit ist jetzt auch für das Auto gekommen!